Entlassung, Abfindung, Entschädigung

Abfindungs- und Entschädigungsleistungen des Arbeitgebers richtig versteuern

Mussten oder müssen Sie auf Veranlassung Ihres Arbeitgebers vorzeitig aus Ihrem Arbeitsverhältnis ausscheiden? Wenn ja, dann erwarten Sie sicherlich in nächster Zeit eine Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes bzw. eine solche wurde Ihnen vielleicht bereits ausgezahlt. Diese Entschädigungsleistung müssen Sie leider mit dem Fiskus teilen, und zwar getreu des im Steuerrecht geltenden Zuflussprinzips im Jahr der Auszahlung. Handelt es sich dabei um eine höhere Summe, sollten Sie unbedingt einen Berater kontaktieren. Für die Höhe der Steuer kommt es nämlich ganz entscheidend darauf an, ob die Einmalzuwendung als Ausgleich für Einnahmeverluste bzw. den Verlust Ihrer Einnahmemöglichkeit behandelt werden kann. Denn dann profitieren Sie von einer günstigeren Besteuerungsregelung, der sog. "Fünftelregelung".

Genaue Abgrenzung erfordert hohes Beratungs-Know-how

Für die Abgrenzung zwischen steuerbegünstigter Entschädigung und normal zu versteuernden Vergütungen aus einem Arbeitsverhältnis ist der vereinbarte Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Bedeutung. Wichtig ist auch, dass der Entschädigungsanspruch als Folge einer vorzeitigen Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses entsteht bzw. entstanden ist. Dies gilt auch, wenn der Entschädigungsanspruch bereits früher vereinbart worden ist. Ist es noch nicht zur Kündigung bzw. Auszahlung der Abfindung gekommen, beraten wir Sie gerne und geben Ihnen in Einvernahme mit Ihrem Arbeitgeber entsprechende Gestaltungsempfehlungen an die Hand.

Keine steuerbegünstigte Entschädigung stellen hingegen Einnahmen dar, die Ihr Arbeitgeber in Erfüllung arbeitsvertraglicher Vereinbarungen zahlt bzw. es sich bereits um bei Abschluss oder während des Arbeitsverhältnisses vereinbarte Vergütungen handelt. Weitere Voraussetzung für die Nutzung der Fünftelregelung ist, dass Ihnen mit der Zuwendung steuerpflichtige Einnahmen weggefallen sind. Abstrakt formuliert: Es muss stets gegen den Willen des Steuerpflichtigen ein Schaden eingetreten sein und das Schaden stiftende Ereignis darf durch den Steuerpflichtigen nicht selbst herbeigeführt worden sein.

Erfordernis der "Zusammenballung"

Wichtig für die Inanspruchnahme der Tarifermäßigung ist, dass die Entlassungsentschädigung auch tatsächlich in einem Veranlagungszeitraum (Kalenderjahr) als Einmalbetrag ausbezahlt wird bzw. vollständig in mehreren Teilbeträgen innerhalb des Jahres zufließt. Das Erfordernis der Zusammenballung gilt gemäß der Bundesfinanzhof-Rechtsprechung auch im Fall eines Wechsels von einer unselbstständigen hin zu einer selbstständigen Tätigkeit. Eine Zusammenballung von Einkünften liegt nach der Rechtsprechung vor, "wenn der Steuerpflichtige in dem jeweiligen Veranlagungszeitraum einschließlich der Entschädigung insgesamt mehr erhält, als er bei ungestörter Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses"

Vergleichsberechnung

Nach der Rechtsprechung ist also stets eine Vergleichsberechnung erforderlich. Es müssen durch die Entschädigung die bis zum Jahresende wegfallenden Einnahmen überschritten werden, die Sie sonst bekommen hätten. Übersteigt also die von Ihnen erhaltene Entschädigung die bis zum Ende des Veranlagungszeitraums voraussichtlich noch erzielten Einnahmen aus dem beendeten Arbeitsverhältnis nicht und beziehen Sie auch keine weiteren Einnahmen, die Sie bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht erhalten hätten, ist es fraglich, ob insoweit eine "Zusammenballung" vorliegt. Sie müssen die Zuwendung dann der Regelbesteuerung unterwerfen.

Bei Berechnung der Einkünfte, die bei Fortbestand des Vertragsverhältnisses im Veranlagungszeitraum bezogen worden wären, stellt die Finanzverwaltung grundsätzlich auf die Einkünfte des Vorjahres ab, es sei denn, es sind außergewöhnliche Ereignisse aufgetreten. Wir führen für Sie gerne eine Vergleichsberechnung durch. 

Ausnahmen

Von dem Erfordernis der "Zusammenballung" rücken die Finanzämter jedoch unter bestimmten Voraussetzungen ab, wenn Sie u. a. die Entlassungsentschädigung in Teilbeträgen über mehrere Kalenderjahre erhalten, obwohl die Vereinbarung eindeutig auf einen Einmalzufluss gerichtet war. Die Finanzämter lassen z. B. dann die günstigere Besteuerung gelten, wenn die Einmalauszahlung versehentlich, z. B. aufgrund eines Rechenfehlers, zu niedrig erfolgte oder Nachzahlungen nach einem Rechtsstreit gewährt werden. Voraussetzung für die Erlangung der Tarifermäßigung im Billigkeitsweg ist allerdings eine form- und fristgerechte Antragstellung. Diese übernehme übernehmen wir gerne für Sie.

Haben Sie Leistungen in Teilbeträgen über mehrere Kalenderjahre (Veranlagungszeiträume) erhalten, sprechen Sie uns in jedem Fall an!

Entschädigungszusatzleistungen

Wurden Ihnen Entschädigungszusatzleistungen aus Gründen der sozialen Fürsorge zusätzlich gezahlt, gefährden diese – späteren – Zahlungen die Steuervergünstigung Ihrer Abfindung selbst unter bestimmten Voraussetzungen nicht. Voraussetzung ist u. a., dass die Zusatzleistungen tatsächlich nur ergänzenden Charakter haben und nicht die Entlassungsentschädigung selbst betragsmäßig erreicht oder sogar übersteigt. Vorsicht ist auch bei ganzen Leistungs- und Versorgungspaketen geboten, die z. B. die GmbH ihrem Geschäftsführer zahlt. Wir ermitteln für Sie gerne die maßgebliche Geringfügigkeitsgrenze, führen einen umfassenden Einnahmenvergleich durch und beraten Sie hinsichtlich steuerschädlicher Zusatzleistungen. 

Investition in Ihre eigene private Vorsorge

Steuern auf Entschädigungsleistungen können Sie neben der günstigeren Fünftelregelung zusätzlich optimieren, indem Sie einen Teil der Zuwendung in die steuerlich geförderten Wege der privaten Altersvorsorge investieren, z. B. in eine Rürup-Rente. Die steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge wurde mit dem sogenannten Zollkodex-Anpassungsgesetz erweitert. Im Jahr 2015 können Sie bis zu maximal 17.737 EUR bzw. 35.475 EUR bei Zusammenveranlagung (entspricht 80 % aus 22.172 EUR bzw. 44.344 EUR) steuerbegünstigt in eine Rürup-Rente investieren. Die Beiträge machen wir für Sie als Vorsorgeaufwendungen bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens zur Gänze geltend. Dabei schöpfen wir für Sie den jeweiligen Erhöhungsbetrag für Beiträge zu Ihrer privaten Vorsorgeversicherung voll aus.

 

Für Abfindungs- und Entschädigungsleistungen können also durchaus nennenswerte Steuervorteile erreicht werden, wenn die Besteuerungsgrundlagen kompetent geprüft und in der Steuererklärung alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

 

Niggemann Steuerberatung Dortmund