Die GmbH in der Krise

Mit Krise meinen wir Gründe, die Sie zwingen, für Ihre GmbH einen Eröffnungsantrag wegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung stellen zu müssen. Als Geschäftsführer sind Sie insbesondere in folgenden Fällen verpflichtet, den Antrag zur Insolvenzeröffnung zu stellen:

  • Ihre GmbH ist zahlungsunfähig oder
  • die Zahlungsunfähigkeit droht,
  • Ihre GmbH hat mindestens des Hälfte des Stammkapitals verloren oder
  • Ihre GmbH ist überschuldet. Eine Überschuldung wird grundsätzlich angenommen, wenn das Vermögen die Schulden der GmbH nicht mehr decken, es sei denn die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich.

Liegt einer dieser Insolvenzgründe vor, sind Sie verpflichtet, binnen kürzester Zeit, namentlich innerhalb von 3 Wochen (!), einen Eröffnungsantrag zu stellen.

Hinweis: Bitte melden Sie sich in diesem Fall sofort bei uns persönlich! Denn die Zeit drängt. Versäumen Sie die 3-Wochen-Frist, haften Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen! Außerdem können Sie sich dadurch strafbar machen, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung.

Um einen möglichst aktuellen Überblick über den finanziellen Status Ihrer GmbH zu erhalten, bitten wir Sie umgehend, am besten noch vor unserem Gespräch, Ihre Unterlagen bei uns einzureichen, damit wir diese weiterverarbeiten und buchen können. Insbesondere sollten Sie uns die Unterlagen zu Ihren Debitoren und Kreditoren so umfassend wie möglich zur Verfügung stellen.

Mithilfe dieser Unterlagen ist es uns möglich, einen ersten Überblick über die Vermögenslage Ihres Unternehmens zu erlangen, um festzustellen, ob Sie tatsächlich Insolvenz anmelden und den Eröffnungsantrag stellen müssen. Dazu benötigen wir folgende Unterlagen:

  • Zusammenstellung der bestehenden Kreditverpflichtungen, vor allem deren Höhe und Fälligkeit, sowie der Sicherheiten, die dafür eingeräumt wurden.
  • Namen der Gläubiger
  • Schulden der GmbH Ihnen gegenüber (daraus kann sich ggf. Gestaltungspielraum für eine Sanierung ergeben)
  • Überblick über die der GmbH zustehenden Forderungen
  • Forderungen der GmbH Ihnen gegenüber Neben dieser Bestandsaufnahme ist es notwendig, die laufend neu entstehenden Verpflichtungen im Blick zu behalten.
  • Hierzu zählen insbesondere die laufend fällig werdenden
  • Arbeitslöhne,
  • Lohnsteuer
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Umsatzsteuer
  • weitere Steuervorauszahlungen/Nachzahlungen (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer)

Bitte beachten Sie bereits jetzt: Reicht Ihre Liquidität nicht aus, um Löhne, Lohnsteuer und Sozialversicherung und andere fällige Steuern zum Fälligkeitszeitpunkt zahlen zu können, ist es nicht zulässig, ausschließlich die Nettolöhne an die Mitarbeitenden zu überweisen. Reichen die finanziellen Mittel der GmbH insgesamt nicht aus, müssen Sie notfalls alle Leistungen, auch die Lohnzahlungen an Ihre Mitarbeitenden, anteilig kürzen (Grundsatz der anteiligen Tilgung). Zwar ist ein Verstoß gegen den Grundsatz der anteiligen Tilgung nicht als Steuerhinterziehung strafbar, Sie laufen aber Gefahr, dass das Finanzamt Sie persönlich, z. B. für die Lohnsteuer und Umsatzsteuer in Anspruch nehmen wird, wenn Sie das Finanzamt an Zahlungen der GmbH nicht anteilig beteiligen.

Beachten Sie, dass eine Steuerhinterziehung vorliegen kann, wenn Sie fällige Steuererklärungen nicht abgeben werden. Wir denken in diesem Zusammenhang vor allem an die Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Diese sollten Sie unbedingt auch dann abgeben, wenn Sie die berechnete Umsatzsteuer-Zahllast nicht oder nicht vollständig bezahlen können.

Als Geschäftsführer sind Sie auch verpflichtet, die Gesellschafter über die Krise der GmbH zu informieren. Bei Verlust des Stammkapitals müssen Sie unverzüglich eine Gesellschafterversammlung einberufen, um den Gesellschaftern die Verluste anzuzeigen. Verstöße gegen die Verlustanzeigepflicht sind strafbar. Um Sie hier bestmöglich zu beraten, bitten wir Sie, uns

  • eine Übersicht über die zuletzt durchgeführten Gesellschafterversammlungen zusammenzustellen,
  • deren Tagesordnungen,
  • Protokolle sowie
  • die darin gefassten Beschlüsse
  • zum Gespräch mitzubringen.
  • Zuletzt müssen wir Sie noch auf folgende Punkte hinweisen, um zu vermeiden, dass Sie als Geschäftsführer Handlungen vornehmen, die andere dazu berechtigen, auf Ihr persönliches Vermögen zuzugreifen:
  • Gehen Sie als Geschäftsführer einer GmbH in der Krise eine Verpflichtung ein, etwa gegenüber einem Lieferanten, oder erteilen Sie einen Auftrag, obwohl Ihnen klar ist, dass die GmbH die dadurch eingegangenen Verpflichtungen nicht wird erfüllen können, ist das wegen sog. Eingehungsbetrugs strafbar. D. h., Sie täuschen Ihren Vertragspartner bei Vertragsabschluss darüber, dass die von Ihnen vertretene GmbH die durch den Vertrag übernommenen Pflichten erfüllen wird, obwohl Ihnen klar ist, dass dies nicht der Fall sein wird.
  • Sie dürfen keine Handlungen (oder Unterlassungen) vornehmen, die dem ordnungsgemäßen Wirtschaften grob widersprechen. Gerade bei einer GmbH in der Krise werden alle Ihre Handlungen streng kontrolliert. Gläubiger, Insolvenzverwalter, der Fiskus und die Sozialversicherungsträger werden Verstöße gegen solche Pflichten nur zu gern zum Anlass nehmen, Sie als Geschäftsführer mit Ihrem persönlichen Vermögen zur Haftung heranzuziehen. Deshalb sollten Sie sich hüten, Vermögenswerte zu verschleudern oder unter Preis zu verkaufen. Auch die dingliche Belastung von noch freien Vermögenswerten, z. B. die Einräumung von Pfandrechten, kann problematisch sein, weil dadurch ggf. künftige Insolvenzmasse dem Gläubigerzugriff entzogen wird.
  • Selbstverständlich dürfen keine oder nicht in diesem Umfang bestehende Rechte vorgetäuscht oder anerkannt werden.
  • Hüten Sie sich auch vor überhöhten Privatentnahmen oder sonstigen überhöhten Abhebungen von Geschäftskonten, da ein solches Verhalten bei einer GmbH in der Krise strafrechtlich als Untreue gewertet werden kann.

 

 

Niggemann Steuerberatung